Es ist so wichtig zu wissen, warum du gestresst bist.

Du kannst deinen Stress nur bekämpfen, wenn du für dich erkannt hast, aus welchen Gründen du gestresst bist.

Es gibt vielfältige, potentielle Stressauslöser in der Außenwelt, wie zum Beispiel Lärm, Schulden, Konflikte etc., die auf dich einwirken können.

Dies sind äußere Stressoren, die sich relativ leicht erkennen und identifizieren lassen (mehr zu Stressoren findest du hier).

Diese Stressoren im Außen sind jedoch nicht der eigentliche Grund, warum du gestresst bist.

Deine Gedanken, Einstellungen und Bewertungen sind es nämlich, die Stress bei dir entstehen lassen.

Der Grund, warum du gestresst bist

Der Hauptgrund, warum du also gestresst bist, liegt in deinem Innern begründet.

Je nachdem, wie du eine potentiell stressauslösende Situation für dich bewertest, erlebst du also viel, wenig oder gar keinen Stress.

Darüber wirst du dir aber in den meisten Fällen nicht bewusst sein, da die inneren Stressoren viel schwieriger zu entlarven sind als die äußeren.

Es ist nämlich so, dass wir meist erst einmal den äußeren Umständen die Schuld an unserem gestressten Zustand geben, anstatt den Blick nach innen zu richten.

Das Fatale dabei ist, dass du die äußeren Umstände kaum zu verändern magst, die inneren jedoch immer.

Dabei gibt es so einige innere Stressoren, die dich stressen können.

Dazu zählen deine Überzeugungen, dein Selbstwertgefühl, deine inneren Antreiber, deine bisherige Lebensgeschichte und dein Lebensplan, deine Grundeinstellung, eventuelle unvorteilhafte Erwartungshaltungen und deine Wahrnehmung.

1. Innere Antreiber

Wir alle haben unsere Antreiber. Diese wirken wie Befehle auf uns und beeinflussen unser Denken und Handeln.

Oftmals sind diese Antreiber in der Kindheit durch Prägung und Erfahrung begründet.

Wir lernten durch unsere Eltern, wie wir uns zu verhalten haben bzw. welches Verhalten erwünscht ist. So erhielten wir zum Beispiel besonders viel Aufmerksamkeit und Lob, wenn wir gute Noten mit nach Hause brachten. Ergo lernten wir uns anzustrengen und der/die Beste zu sein.

5 Antreiber, die auf dich wirken können

  1. Sei perfekt!
  2. Streng dich an!
  3. Mach es allen recht!
  4. Beeil dich!
  5. Sei stark!

Diese Befehle übernahmen wir als Kinder unbewusst und ohne sie zu hinterfragen.

Das Fatale dabei ist, dass diese Gebote selbst Jahre später tief in uns verwurzelt sind und uns antreiben.

Wir hinterfragen sie nicht, denn unser Verhalten fühlt sich für uns richtig an, wir haben so ja schließlich unser ganzes Leben gehandelt und sind vermeintlich gut damit gefahren.

Wir alle haben unser Antreiber.
Bei mir sind es Perfektionismus und der Wunsch, es allen recht machen zu wollen.

Auch wenn ich daran arbeite, oft genug erwische ich mich dabei, dass wieder einer der Antreiber die Oberhand über mich gewinnt.

Antreiber haben aber auch ihre positiven Seiten, denn sie helfen dir auch dabei, dein Leben erfolgreich zu meistern.

Kritisch wird es erst, wenn einer oder mehrere Antreiber zu stark ausgeprägt sind.

Auf Dauer kannst du dem nicht standhalten mit der Folge, dass du die an dich gestellten Ansprüche nicht erfüllen kannst, was wiederum dazu führt, dass du dich immer mehr unter Druck setzt mit dem Gedanken, diese Erwartungen erfüllen zu MÜSSEN.

Niemand kann zu 100 % perfekt sein, der oder die Beste sein, immer alles richtig machen, niemals Schwäche zeigen und sich immer nur anstrengen.

Dich selbst so unter Druck zu setzen, lässt dein Stresslevel ansteigen, setzt dein Selbstwertgefühl herab und führt zu Konflikten in deinen Beziehungen.

Identifiziere deine inneren Antreiber

Damit du deinem selbstgemachten Druck entkommen kannst, ist es wichtig, die eigenen Antreiber zu kennen und besonders welche von ihnen vermehrt ausgeprägt sind.

Dabei kannst du wie folgt vorgehen:

  • ermittle deine dominanten Antreiber
  • erkenne den Wert an; sei dankbar für das, was er bisher für dich getan hat
  • finde einen Handlungsspielraum, den du ihm gegenüberstellt. Zum Beispiel für den Antreiber sei perfekt!: Gut ist gut genug, ich bin gut genug und darf auch Fehler machen oder für den Antreiber mach es allen recht!: Meine Wünsche sind ebenso wichtig wie die der anderen, ich muss nicht bei allen beliebt sein, ich darf auch nein sagen und Grenzen setzen
  • erprobe die neue Version deines Antreibers und spüre, wie es sich anfühlt
  • ersetze Schritt für Schritt die alte Version durch die neue

So räumst du die Denkweisen aus, die dir nicht länger dienlich sind und dich auf deinem Weg in dein echt erfülltes und gesundes Leben behindern.

2. Der eigene Lebensplan

„Mein Haus, mein Boot, mein Auto!“ – Vielleicht kennst du diese TV-Werbung noch?

Tatsächlich scheint es vielen Menschen bei ihrer Lebensplanung vorrangig um Status und Konsum zu gehen.

Sein Leben nur im Außen aufzubauen und daran sein persönliches Glück zu messen, erfüllt jedoch nicht. Ganz im Gegenteil.

Deshalb sollte hinter jedem Lebensplan eine eigene Vision stehen.

Finde dein Warum

Hinter allem was du tust, ob bewusst oder unbewusst, steht ein Warum.

Dieses Warum gibt dir Aufschluss über deine Vision.

Um dir über deine Lebensvision klar zu werden, stelle dir die folgenden Fragen:

  • Was will ich beruflich erreicht haben, wenn ich in Rente gehe?
  • Was würde ich unternehmen, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte?
  • Was ist mir im Leben wichtig?
  • Welche innere Haltung strebe ich an, was sind meine Werte?
  • Was wäre das Beste, das mir momentan passieren könnte?
  • Welchen Sinn sehe ich in meinem Dasein?

Frage dich nun, ob deine jetzige Lebensführung mit dieser Vision übereinstimmt.

Ist das der Fall, bist du zufriedener und auch belastbarer.

Deine Vision erfüllt dich von innen.

Deshalb strebe ein Leben in Einklang mit deiner Vision an.

3. Selbstwahrnehmung und Selbstwert

Vielleicht kennst du das:

Jemand sagt zu dir, dass er dich um dein Selbstvertrauen und deine Selbstsicherheit beneidet.
Du wunderst dich darüber und bist erstaunt, denn du empfindest dich selbst als ganz und gar nicht selbstsicher.

Stattdessen schreibst du all diese Eigenschaften dem Anderen zu und nicht dir selbst.

Es besteht also ein Unterschied darin, wie du dich selbst wahrnimmst und wie dich andere wahrnehmen.

Die Frage nach der Selbstwahrnehmung ist recht einfach zu beantworten, sofern du dich mit dir selbst beschäftigst, dich reflektierst und ehrlich mit dir bist.

Finde heraus wie du dich selbst wahr nimmst

Um herauszufinden, wie du dich selbst wahr nimmst, beobachte einmal deine Emotionen.

Frage dich, welche Emotionen du bei dir wahr nimmst, wenn du

  • kritisiert wirst
  • einem anderen Rechenschaft ablegen musst
  • jemanden um Hilfe bitten musst
  • auf einer Veranstaltung eingeladen bist, bei der du fast niemanden kennst

Im zweiten Schritt frage andere um deren Einschätzung, zum Beispiel:

  • Wie wirke ich auf dich?
  • Welche Qualitäten zeichnen mich besonders aus?
  • Was schätzt du an mir?
  • Wie wirke ich in bestimmten Situationen (nenne hier die für dich fraglichen Situationen)?

Aus der Diskrepanz, die sich häufig zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung ergibt, kannst du viel über dich selbst erfahren.

4. Mangelnde Selbstliebe

Zunächst einmal: Selbstliebe hat nichts mit Narzissmus oder Egozentrismus zu tun.

Mit Selbstliebe ist zuerst einmal gemeint:
Kann ich mich so akzeptieren, wie ich bin?

Generell fällt es uns leichter, anderen Menschen Liebe entgegen zu bringen als uns selbst.

Ob du dich selbst für liebenswert empfindest, hängt, wie könnte es auch anders sein, mit deiner Kindheit zusammen.

Haben dir deine Eltern bedingungslose Liebe entgegen gebracht, ohne dafür eine besondere (Gegen-)Leistung von dir zu erwarten?

Selbstliebe macht gesund und glücklich

Wenn du dich voll und ganz selbst akzeptierst und lieben kannst, bist du glücklich, erfüllt und belastbar.
Du betreibst aktiv Selfcare.
Du weißt um deine Bedürfnisse, setzt klare Grenzen, achtest auf dich und deine Gesundheit, kannst dir etwas Gutes gönnen, nimmst dir bewusst Zeit für dich und verzeihst dir gemachte Fehler leichter.

Strebst du jedoch immer nach (subjektiv unerreichbarer) Perfektion, bleibt die Selbstliebe meist auf der Strecke.
Du vergisst dich um dich selbst zu kümmern, da es einfach nicht zu deinen Prioritäten gehört.

Bei mangelnder Selbstliebe und Selbstwertschöpfung beschimpfst und wertest du dich mit Worten wie „Ich Trottel“ oder „Das schaffe ich doch nie!“ ab, anstatt nachsichtig und liebevoll mit dir zu sein.

5. Erwartungshaltungen

Was erwartest du vom Leben?

Erwartest du, dass wenn du viel gegeben hast, auch viel bekommen musst?

Das solltest du nicht, denn du kannst dabei nur enttäuscht werden.

Deine Leistung solltest du nicht von der Anerkennung anderer abhängig machen, stattdessen musst in erster Linie DU mit deiner Leistung zufrieden sein.

Zufriedenheit steigert dein Selbstwertgefühl

Bist du zufrieden, steigt dein Selbstwertgefühl.

Kein anderer außer du selbst bist für dein Seelenwohl zuständig.

Diese verschiedenen Erwartungshaltungen sind individuell unterschiedlich, je nach Herkunft, sozialem Status und den inneren Überzeugungen.

Der Umstand, dass die Erwartungen so unterschiedlich sind, macht es schwierig, sie zu erfüllen.

Eventuell hast du Erwartungen, die derjenige, an den du diese Erwartungen knüpfst, eben nicht hat bzw. nicht wahrnimmt und sie somit auch gar nicht erfüllen kann.

6. Negative Grundeinstellung

Ist dein Glas halbvoll oder halbleer?

Mit welchen Augen du die Welt siehst, hat mit deiner Einstellung und die wiederum mit deiner Wahrnehmung zu tun.

Dabei bewirken unsere individuellen Wahrnehmungsfilter, dass wir nur bestimmte Aspekte und Signale unserer Umwelt wahrnehmen, während andere unbewusst ausgeblendet werden.

Sieh es positiv

Ob du nun widerstandsfähig bist oder nicht, hängt damit zusammen, ob du in einer negativen Situation auch das Positive sehen kannst.

Dabei sei gesagt, das übersteigertes positives Denken genau so krank machen kann wie ständiges negatives Denken.

Emotionen wie Trauer, Wut oder Enttäuschung sollten nicht ausgeblendet werden, sie gehören wahrgenommen und gefühlt.

Statt jedoch völlig in den Emotionen aufzugehen und zuzulassen, dass sie dich immer weiter runter ziehen, solltest du sie nach einer angemessenen Zeit wieder gehen lassen.

7. Übermotivation

Macht dir deine Arbeit so viel Spaß, dass sich alles nur noch darum dreht und sie quasi dein Leben beherrscht?

Dann läufst du Gefahr, ein Workaholic zu werden.

Diese Arbeitssucht zeichnet sich anfangs durch eine überdurchschnittliche Arbeitsbereitschaft gepaart mit Perfektionismus aus.

Ein Workaholic koppelt sein Wohlbefinden mit der geleisteten Arbeit, er muss arbeiten, damit er sich wohl fühlt und je mehr er arbeitet, umso wohler fühlt er sich.

Die Arbeit steht für einen Workaholic an erster Stelle, alle anderen Bereiche ordnet er dieser unter.

Motivation vs. Übermotivation

Motivation bedeutet ja, dass du einen Sinn in deiner Arbeit siehst und Freude an den zu erledigenden Tätigkeiten hast.

Eine gewisse Portion Motivation schadet nicht -ganz im Gegenteil.
Sie wird gerne gesehen und von den meisten Arbeitgebern ausdrücklich gewünscht, denn sie spornt an und steigert die Leistungsfähigkeit.

Wichtig dabei ist jedoch, die Grenzen der Arbeit und der eigenen Motivation zu erkennen.

Merke: Du allein kannst nicht die Welt retten

Bei diesem Versuch reibst du dich nur immer mehr auf und schadest deiner eigenen Gesundheit.

Denn jedes Engagement hat Grenzen in seiner Effektivität, welche erkannt und akzeptiert werden müssen.

8. Leistungsdruck

In der heutigen Gesellschaft zählt meist nur derjenige, der Leistung bringt.

Bereits Kinder in der Grundschule bekommen diesen Druck zu spüren.
Ihre Eltern setzen gute Noten voraus, aus dem Kind soll ja schließlich was werden und da zählt die schulische Leistung, um anerkannt zu sein und nicht als Loser abgestempelt zu werden.

Ein gewisses Maß an Leistungsdruck ist nicht ungesund – ganz im Gegenteil – auch er spornt uns an, unser Bestes zu geben.

Die Grenze zwischen gesundem und ungesundem Leistungsdruck gilt es aber rechtzeitig zu erkennen.

Gesunder Leistungsdruck

  • spornt an
  • motiviert
  • macht Freude

Ungesunder Leistungsdruck

  • schürt Versagensängste
  • lässt keine Entspannung zu
  • die Gedanken kreisen um die nächste Aufgabe
  • macht unzufrieden
  • wirkt sich auf unseren Schlaf aus

Dabei kann dich ungesunder Leistungsdruck im Außen, z.B. auf der Arbeit, ebenso stressen, wie der Druck durch deine inneren Antreiber.

Einfach mal abschalten!

Merke: Stress ist nur ein Gedanke.

Die inneren Stressoren entscheiden, wie du deine Außenwelt wahr nimmst und darauf reagierst.

Somit sind sie die wahren Gründe, warum du gestresst bist.

Wenn du erkennst, dass vieles von dem, was dich vermeintlich stresst, gar nicht im Außen begründet ist, sondern in dir quasi hausgemacht ist, kannst du dem entgegenwirken.

Achtsamkeit kann dir dabei helfen, deine inneren Unruhestifter zu entlarven und zu erkennen, was dich bewusst und unbewusst antreibt und dich dadurch in Stress versetzt.

Indem du deine inneren Stressoren erkennst, wird es dir möglich, deine Haltung in Bezug auf Stress zu ändern.

Denn nicht deine Gedanken, deine Antreiber und Erwartungen bestimmen über dich und dein Leben, sondern du selbst.

Du hast die Macht dein Leben so zu gestalten wie du es gerne hättest und dabei hast du jeden Tag die Möglichkeit, eine neue Richtung einzuschlagen.

Dir gefällt der Beitrag? Dann teile ihn weiter!